22.02.2012 | 15:13 Uhr

Schuldenschnitt für Athen trifft vor allem Commerzbank

Schuldenschnitt für Athen trifft vor allem Commerzbank

Frankfurt/Main (dpa) - Der ausgehandelte Schuldenerlass für Griechenland wird vor allem für die Commerzbank teuer. Die erwartete Teilnahme am freiwilligen Schuldenschnitt wird nach Schätzung von Analysten das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut gut 2,2 Milliarden Euro kosten.

Diese Belastung dürfte die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank bereits in die Bilanz für das vergangene Jahr einrechnen, die sie an diesem Donnerstag (23.2.) vorlegt. Die Deutsche Bank schrieb ihren Bestand an Griechenland-Anleihen bereits in den Anfang Februar vorgelegten vorläufigen Jahreszahlen auf 71 Prozent des Nominalwertes ab und verbuchte dafür 527 Millionen Euro Verlust.

Im testierten Jahresabschluss, den die Bank am 20. März vorlegt, könnten die Wertberichtigungen noch leicht steigen. Ein Sprecher versicherte am Mittwoch, dass der deutsche Branchenprimus beim Schuldenschnitt mitmachen werde. Konzernchef Josef Ackermann hatte als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF persönlich das Rettungspaket mitverhandelt.

Insgesamt verpflichteten sich private Gläubiger, auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen zu verzichten. Hinzu kommt der Tausch der restlichen Papiere zu deutlich schlechteren Bedingungen. Dies summiert sich nach Berechnungen von Experten auf einen Verlust von 73 bis 74 Prozent des Nominalwerts der Anleihen.

Die Commerzbank hatte im dritten Quartal ihre Griechenland-Papiere um 52 Prozent wertberichtigt und dafür 1,6 Milliarden Euro Verlust verbucht. Die nun drohenden weiteren Abschreibungen werden aber vermutlich keinen zusätzlichen Kapitalbedarf nach Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA verursachen. Im letzten Stresstest, der bei der Commerzbank eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro ergab, waren die Griechenland-Bonds zu Marktwerten angesetzt worden - und die waren schlechter als die Konditionen des Schuldenschnitts.

Neue Belastungen stehen auch der genossenschaftlichen DZ Bank ins Haus. Sie hatte in ihren Halbjahreszahlen die griechischen Anleihen um ein Drittel abgeschrieben und dafür 216 Millionen Euro Verlust verbucht. Nun dürften rechnerisch weitere rund 280 Millionen Euro anfallen. Das zweite genossenschaftliche Zentralinstitut, die Düsseldorfer WGZ, will in der Jahresbilanz für 2011 nach Angaben eines Sprechers von ihren Griechenland-Papieren im Nominalwert von 531 Millionen Euro drei Viertel abschreiben.

Bei vielen Landesbanken wird nach der Einigung zum Schuldenschnitt noch gerechnet. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte ihren Bestand griechischer Staatsanleihen im Volumen von rund 60 Millionen Euro bereits um 67 Prozent abgeschrieben.

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