BERLIN (dpa-AFX) - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Erwartungen an eine
rasche und umfassende Regulierung der "Schattenbanken" mit ihren
unkontrollierten und risikoreichen Milliardengeschäften gedämpft.
Eine Gesamtregulierung auf globaler Ebene wäre sicher wünschenswert. Um aber
überhaupt zu mehr Transparenz zu kommen, wäre in einem ersten Schritt eine
zunächst indirekte Aufsicht sehr sinnvoll, sagte Merkel am Montag in Berlin nach
einem Treffen der Expertengruppe "Neue Finanzmarktarchitektur" um den früheren
Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing. In einem
nächsten Schritt müsse dann die direkte Aufsicht folgen.
Damit griff Merkel einen Vorschlag der "Issing-Gruppe" zur Eindämmung der
globalen Risiken durch das Schattenbanksystem auf. Diese hatte vorgeschlagen,
zunächst die Kontakte der regulierten Finanzindustrie mit Schattenbanken zu
kontrollieren. In einem zweiten Schritt sollten dann Hedge-Fonds direkt
beaufsichtigt werden.
Zur Eindämmung der Risiken seien Informationen notwendig, sagte Issing. Er
warb erneut für den Vorschlag einer "Risikolandkarte". In den USA gebe es
bereits eine Stelle zum Sammeln und Auswerten von Daten. Ein vergleichbares
Instrumentarium sollte es auch in Europa geben, um die Risiken überhaupt erst
einmal zu beziffern.
Hintergrund der Bemühungen auf Ebene der Top-Wirtschaftsmächte (G20) ist der
Boom bei den bisher völlig unkontrollierten Finanzjongleuren, die verstärkt in
den "Schattenbanksektor" abwandern. Auch weil Banken und Versicherer inzwischen
strenger beaufsichtigt werden, wächst die Gefahr von Ausweichmanövern.
Die Nicht-Banken jonglieren mit dubiosen Konstrukten sowie unvorstellbaren
Summen und wickeln jene Deals ab, die kontrollierte Banken auslagern.
Schätzungen gehen davon aus, dass "Schattenbanken" etwa 25 bis 30 Prozent des
globalen Finanzsystems ausmachen. Zwischen 2002 und 2010 soll das
Schattenbank-Volumen von 25 Billionen US-Dollar auf 60 Billionen US-Dollar
gestiegen sein. Allein in den USA wird mit 16 000 Milliarden ein größeres
Kreditvolumen bewegt als von herkömmlichen Banken (13 000 Milliarden Dollar).
Profiteure sind Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Diese werden
von großen Pensionsfonds, Versicherern und Banken derzeit mit frischem Geld
geradezu zugeschüttet. Geldhäuser nutzen "Schattenbanken" als Handelspartner, um
Risiken loszuwerden.
Merkel mahnte erneut schnellere und tiefgreifendere Reformen an den
Finanzmärkten an: "Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind noch nicht
überwunden." Zwar habe die Staatengemeinschaft an manchen Stellen dazugelernt.
Es müsse aber intensivst weitergearbeitet werden. Es sei noch nicht der Punkt
erreicht, an dem eine Finanzmarktkrise wie im Jahr 2008 nicht mehr entstehen
könne.
23.02.2012 | 14:03 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Schwellenländer dürften Experten zufolge für Anleger
in diesem Jahr wieder zunehmend interessant werden. Als Grund dafür wird das
enorme Konsumpotenzial, vor allem in Asien, gesehen. Der private Verbrauch werde
"Haupttreiber des volkswirtschaftlichen Wachstums in den Emerging Markets über
die nächsten Jahrzehnte" sein, sagte Thomas Gerhardt, Leiter des
Schwellenländerteams der französischen Fondsgesellschaft Edmont de Rothschild,
am Donnerstag in Frankfurt. Das Bevölkerungswachstum, die Altersstruktur sowie
der wachsende Anteil arbeitender und besser verdienender Menschen seien in
diesen Regionen "multiplikativ miteinander verknüpft" und verstärkten so die
Entwicklung.
23.02.2012 | 10:19 Uhr
HAMBURG (dpa-AFX) - Trotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist die
Zahl der privaten Insolvenzen in Deutschland nur leicht zurückgegangen. Im
vergangenen Jahr meldeten gut 136.000 Bundesbürger Privatinsolvenz an, teilte
die Wirtschaftsauskunftei Bürgel am Donnerstag in Hamburg mit. Das sind 2,2
Prozent weniger als im Jahr zuvor. "Aufgrund einer sehr niedrigen
Arbeitslosenquote mit dem tiefsten Stand seit 20 Jahren hätte der Rückgang
stärker ausfallen müssen", sagte Geschäftsführer Norbert Sellin.
22.02.2012 | 18:04 Uhr
FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Nach öffentlicher Kritik an einem ethisch
zweifelhaften Fonds begräbt die Deutsche Bank ihre umstrittene
"Todeswette". Der Konzern bietet Anlegern den vorzeitigen Ausstieg aus dem
geschlossenen Fonds "db Kompass Life 3" an, der noch eine Laufzeit bis Ende März
2015 hat.
22.02.2012 | 15:41 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Eine ethisch zweifelhafte Geschäftsidee fällt der
Deutschen Bank auf die Füße: Nach öffentlicher Kritik bietet der Konzern
Anlegern den Ausstieg aus dem geschlossenen Fonds "db Kompass Life 3" an. Das
Produkt ist eine Art Wette auf die Restlebensdauer von etwa 500 Menschen:
Sterben die sogenannten Referenzpersonen früher als erwartet, erhöht sich die
Rendite für die Investoren.
21.02.2012 | 15:11 Uhr
KASSEL (dpa-AFX) - Die Zahl der Klagen wegen Hartz IV ist 2011 erstmals seit
Einführung der Arbeitsmarktreform wieder gesunken. Bei den deutschen
Sozialgerichten gingen im vergangenen Jahr 170 488 Klagen zu dem Thema ein - das
sind 9000 weniger als noch 2010. Diese Zahlen legte der Präsident des
Bundessozialgerichts (BSG), Peter Masuch, am Dienstag bei der Vorstellung des
Jahresberichts in Kassel vor.
17.02.2012 | 15:40 Uhr
BERLIN (dpa-AFX) - Für die konkrete Umsetzung der geplanten
Mindestlohn-Regelung will Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch vor
Ostern eine gemeinsames CDU-Konzept präsentieren. "In wenigen Wochen werden wir
ein zwischen Sozial- und Wirtschaftsflügel abgestimmtes Unionsmodell für eine
allgemeine Lohnuntergrenze mit dem Koalitionspartner besprechen können",
kündigte die Ministerin im Magazin "Focus" an. Im vergangenen November hatte der
CDU-Parteitag beschlossen, in Bereichen ohne Tarifvertrag eine Lohnuntergrenze
einzuführen. Dieser Mindestlohn soll von einer Kommission aus Gewerkschaftern
und Arbeitgebern festgelegt werden.
17.02.2012 | 14:29 Uhr
FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Die Finanzagentur des Bundes hat 40.000 Konten
von Privatkunden gesperrt. Die betroffenen Besitzer von Bundesschatzbriefen und
anderen Bundeswertpapieren hätten auch nach dem wiederholten Aufruf der
Schuldenverwalter die angeforderten Unterlagen nicht eingereicht, teilte die
Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH am Freitag in Frankfurt mit.
16.02.2012 | 15:38 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Union Investment, der Fondsanbieter der Volks- und
Raiffeisenbanken, hat im vergangenen Jahr unter der branchenübergreifenden
Absatzflaute gelitten. Unter dem Strich zogen Privatanleger 2,1 Milliarden Euro
aus Publikumsfonds ab, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.
Nach einem guten ersten Halbjahr hätten die europäische Schuldenkrise und die
Verwerfungen an den Finanzmärkten zu einem deutlichen Rückgang des Neugeschäfts
geführt, heißt es in der Mitteilung. Dennoch zeigte sich Union-Investment-Chef
Hans Joachim Reinke mit dem Geschäftsjahr zufrieden: "Wir haben trotz des
schwierigen Marktumfelds erneut Stabilität bewiesen".
15.02.2012 | 17:18 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Versicherungsunternehmen könnten wegen des niedrigen
Zinsniveaus und des anhaltend langsamen Wirtschaftswachstums zukünftig stärker
in alternative Anlageklassen investieren, um ihre Renditen zu steigern. Dies ist
das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des
US-Vermögensverwalters Blackrock. Infolge der Reform des
Versicherungsaufsichtsrechts in Europa ("Solvency II") würden die Versicherer
sich demnach möglicherweise aus Staatsanleihen und Aktien zurückziehen und
verstärkt in alternativen Vermögensklassen anlegen. Im Besonderen erwarteten
beinahe ein Drittel der befragten Institute ein stärkeres Engagement in Private
Equity und Hedgefonds. Dies gelte trotz der potenziell höheren
Kapitalanforderungen, die wegen Solvency II auf sie zukommen könnten.