17.07.2012 | 08:55
Keine Rendite mehr ohne Risiko
Die von Luca Pesarini, Ethenea Independent Investors, gemanagten Ethna-Fonds sind bei Anlegern wie Beratern heiß begehrt.
Das Griechenland-Drama zieht sich immer weiter hin. Warum?
Pesarini: Der Grund für die lange Dauer der griechischen Schuldenodyssee liegt sicher nicht nur darin, dass die Griechen alles daran gesetzt haben, die Dramatik der Lage zu verschleiern. Auch die Politiker in Brüssel wollten das Problem zunächst nicht wahr haben. Außerdem ist die nächste wichtige Wahl auch immer gerade irgendwo und wenn der Druck nicht sehr hoch ist, läuft es eben auf Abwarten hinaus. Das gleiche gilt für die Troika, die auch nicht von Anfang an mit dem jetzt zu beobachtenden Nachdruck unterwegs war. Die Lösung für das Problem der hohen Staatsverschuldung einerseits und der zu niedrigen Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands andererseits wird entweder jetzt sofort im Hauruck-Verfahren oder mit etwas mehr Übersicht in den nächsten ein bis zwei Jahren gefunden. Klar ist, dass die Lösung nicht darin bestehen kann, Länder des „Club Med“, allen voran Griechenland, dauerhaft in der Rezession zu belassen, nur damit diese im Euroraum verbleiben.
Was ist also zu tun?
Pesarini: Wenn Griechenland sich nicht echte komparative Vorteile im Wettbewerb mit den anderen Ländern im Euroraum erarbeitet, wird sich die wirtschaftliche Lage in Griechenland nicht verbessern. Ein „Lettland zwei“ mit echten Arbeitsmarktreformen, Steuersenkungen für Unternehmer im Land und Investitionen in die für Wirtschaft und Tourismus wichtige Infrastruktur wäre die richtige Antwort. Eine Strategie, die nur auf einer Subventionierung durch den Norden aufbaut, wird zur Sicherung des Verbleibs Griechenlands in der Eurozone nicht genügen. Der Anstieg der langfristigen Arbeitslosigkeit und die sich bereits abzeichnende Radikalisierung der Parteienlandschaft zeigen, wohin die Reise geht, wenn die Bevölkerung die Hoffnung in einen positiven Ausgang des eigenen Dramas verliert.
Gehören Anleihen der südlichen Euro-Peripherie zu Ihrem Anlageuniversum?
Pesarini: Aktuell liegt Portugal nicht im Mittelpunkt unserer Betrachtungen, aber was in Spanien zu beobachten ist, geht absolut in die richtige Richtung. Die Bad Bank muss kommen und die Europäische Union sollte Spanien dabei helfen, den spanischen Bankensektor zu sanieren – insbesondere die stark politisierten und tief in das Desaster am Immobilienmarkt verwickelten Cajas. Dadurch bietet sich die Chance, die Phase der Deflation kürzer zu halten als in Japan. Dort wurden die Banken fast gar nicht saniert, was aus heutiger Sicht als eine der Hauptursachen für die über 15 Jahre anhaltende Deflation anzusehen ist. Wir halten derzeit keine Staatsanleihen von der iberischen Halbinsel, aber durchaus Unternehmensanleihen wie diejenigen von Telefonica.
Wie fällt Ihr Equity-Exposure zurzeit aus?
Pesarini: Grundsätzlich sind wir in allen Fonds breit diversifiziert. Dies gilt insbesondere für unser Flaggschiff, den Ethna-Aktiv E, der neben den Versicherungen Axa, ING und der VP Bank auch außerhalb des Finanzsektors Titel aus den Branchen Pharma, Maschinenbau, Chemie, Rohstoffe und Technologie hält. Die Aktienquote beläuft sich beim Ethna- Aktiv E derzeit auf rund zehn Prozent des Fondsvolumens. Der Ethna-Global Dynamisch ist deutlich stärker in Aktien investiert und hält immer mindestens 30 Prozent des Fondsvolumens in Aktien. Dies kann manchmal dazu führen, dass als defensiv eingeschätzten Einzelpositionen ein größeres relatives Gewicht zukommt, als dies bei den anderen Fonds der Fall ist.
Welche Anlagen haben Ihnen zuletzt die größte Performance beschert?
Pesarini: Generell können wir sagen, dass vor allem die Unternehmensanleihen in den letzten Monaten besonders gut zur positiven Entwicklung des Fonds beigetragen haben. Zudem stellte unsere weiterhin hohe Cash-Quote von 30 Prozent einen hervorragenden Risikopuffer dar. Die Herausforderung besteht auch weiterhin darin, in einer Zeit ohne klare Trends innerhalb eines weiterhin schwierigen Kapitalmarktumfelds reale Renditen zu erwirtschaften, ohne die Schwankungen des Fondspreises, also die Volatilität, unnötig zu erhöhen. Die Zeiten, in denen Renditen ohne Risiko erzielt werden konnten, sind vorbei. Der vermeintlich risikolose Zins liegt bei null und die Inflation in Deutschland in den nächsten Jahren wird nach unserer Einschätzung über zwei Prozent liegen. Durch den Kauf fünf- und zehnjähriger Staatsanleihen bester Bonität mit einer Rendite von weniger als zwei Prozent, kann das Kapital der Anleger real nicht mehr erhalten werden. Zusätzlich gehen Käufer derartig lang laufender Anleihen im aktuellen Niedrigzinsumfeld das Risiko erheblicher Kursverluste ein, die dann eintreten, wenn die Zinsen ansteigen. Deshalb halten wir, wie bereits erwähnt, lieber viel Kasse, Unternehmensanleihen, Anleihen in Währungen mit Aufwertungspotenzial oder Aktien.
Wie überzeugen Sie Ihre Anleger?
Pesarini: Wir versprechen unseren Kunden, nicht einfach nur irgendwelchen Anlagetrends zu folgen, die auf der Annahme basieren, dass es vermeintlich supersichere Anlagen gibt. Die existieren nämlich nicht. Deshalb ist unsere Antwort: Diversifikation, die nicht bei der Frage anfängt, welche Anlage und welche Gewichtung – Gold, Immobilien, Anleihen oder Aktien. Für uns ist vielmehr zunächst die Erwartung des einzelnen Anlegers von großer Bedeutung. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass das größte Risiko darin besteht, alle Mittel nur einem einzigen, gerade populären Kapitalmarktszenario anzuvertrauen.
Trotzdem sind Ihre Fonds Bestseller?
Pesarini: Unsere Anlagestrategie macht es allerdings erforderlich, sich von dem Gedanken zu verabschieden, sehr schnell sehr reich zu werden, indem man alles auf eine Karte setzt. Wenn die Angst vor Kapitalverlust im Vordergrund steht, ist so zu investieren, dass in jedem Szenario das Vermögen erhalten bleibt. Entscheidend hierbei ist, dass wir als verantwortliche Fondsmanager unsere Strategie laufend aktiv überprüfen und anpassen. Unser eigener Standpunkt ist dabei sehr wichtig, aber wenn das Festhalten daran große Verluste verursacht, steht „Recht haben“ hinter „Kapital erhalten“ zurück. Die Herausforderung für uns besteht darin, zu erkennen, wann es an der Zeit ist, die eigene Einschätzung zu revidieren. Anstatt an unserer Meinung unausweichlich festzuhalten, sind wir offen sie abzustoßen – wie Anlagen, die unser primäres Anlageziel gefährden. Der Erhalt des Kapitals unserer Anleger steht für uns im Mittelpunkt unseres Handelns. Diesem Anspruch versuchen wir jeden Tag neu gerecht zu werden.
