02.03.2012 | 10:43
Setzt sich der Aufwärtstrend an den Finanzmärkten fort?
Der Aufwärtstrend an den Märkten hat bereits gegen Ende letzten Jahres begonnen:
Anlagekategorien mit höheren Anlagerisiken haben in den vergangenen sechs Monaten deutlich zugelegt: globale Aktien (MSCI World) um 21 Prozent, Hochzins-Anlagen (High Yield Index in USD) um 14,5 Prozent und Rohstoffmärkte (DJUBS Index) um 9,6 Prozent. Die Rally wurde einerseits durch US-Wirtschaftsdaten ausgelöst, die die Erwartung des Marktes durchwegs übertrafen. Andererseits trug das von der Europäischen Zentralbank den Geschäftsbanken angebotene umfangreiche LTRO-Programm (long-term refinancing operations) entscheidend dazu bei, das Systemrisiko innerhalb der Eurozone zu begrenzen. Auch die Lockerung der Geldpolitik in einigen wichtigen Schwellenländern hat sich positiv ausgewirkt. Die Anleger wurden zumeist auf dem falschen Fußerwischt: Siewaren zum Jahresende zu defensiv positioniert und mussten den Anteil von Anlagekategorien mit höheren Anlagerisiken erhöhen.
Wir gehen aber davon aus, dass die Balance zwischen Risiko und Ertrag beim gegenwärtigen Kursniveau weniger attraktiv geworden ist.
Zunächst ist es vor allem unwahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft angesichts des ungelösten strukturellen Budgetproblems die Wachstumserwartungen des Marktes dauerhaft übertreffen wird. Des Weiteren geht vom steigenden Ölpreis von derzeit USD 125 perBarrel (Sorte Brent) ein Risiko für die Wirtschaftsentwicklung aus. Dieses Risiko macht beim derzeitigen Preis fünf Prozent des globalen BIP aus, ein wichtiger Schwellenwert für die Weltwirtschaft. Getrieben von angebotsseitigen Einflüssen (Syrien, Nigeria) und einer wachsenden Nachfrage (zum Beispiel aus Japan als Folge der Stilllegung der meisten Kernkraftwerke) kommt für den Ölpreis ein weiterer Faktor hinzu: das Risiko eines bewaffneten Konflikts zwischen Israel und Iran, das nukleare Ambitionen hegt.
Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet kann man auch argumentieren, dass die außerordentlichen Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbanken der sogenannten G4-Länder, also die US-Notenbank, die EZB, die Bank of Japan und die Bank of England, einen Nachteil haben:
Das Anfachen der Nachfrage nach Realgütern wie Rohstoffen führt letztlich zu höheren Ölpreisen. Ironischerweise dient ein steigender Ölpreis aber auch als "natürliches Regelventil" bei fortgesetzten Liquiditätsspritzen der Zentralbanken. So gesehenist Öl dank seiner Eigenschaft als wesentlicher globaler Produktionsfaktor zur "wahren" Zentralbank geworden.
Zwar erscheinendas Wirtschaftswachstum intakt und die Bewertung der Aktienmärkte attraktiv. Doch diese Faktoren sind wohlbekannt und in den Preisen enthalten. Zudem lassen die Schuldenberge der meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften erahnen, dass es keine Rückkehr zu jener wirtschaftlichen Stabilität, die wir vom "goldenen Zeitalter" zwischen 1982 und 2007 kennen, geben wird. Auch die rekordhohen Profitmargen (außerhalb des Finanzsektors) sollten nicht als gegeben betrachtet werden, denn verschuldete Länder ändern ihre steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingung allmählich zuungunsten der Unternehmen.
Dennoch darf man durchaus zuversichtlich sein: Aktien-und Anleihenmärkte bieten nach wie vor gute Chancen für Anleger, sofern diese die neuen Trends erkennen. Neben robusten Portfolios sind Absicherungsstrategien oder Gewinnmitnahmen, wenn sie gekonnt und zum richtigen Zeitpunkt angewandt werden, die Schlüsselelemente für den Schutz und die langfristige Mehrung von Vermögen.
